Die Meyerschen Stollen in Aarau sind ein schweizweit einzigartiges, unterirdisches Bauwerk, erbaut von Johann Rudolf Meyer Sohn. Er war der älteste Sohn des gleichnamigen Aarauer Seidenfabrikanten, Philanthropen, Mäzens und Revolutionärs. Die Meyerschen Stollen haben eine Länge von 1,7 km. Entstanden sind sie zwischen 1791 und 1810, um frisches, sauberes Wasser für die Seidenfärberei zu sammeln. Um das Wasser für die Seidenfärberei zu gewinnen, baute Johann Rudolf Meyer Sohn im Kellergeschoss des Meyerhauses eine Einrichtung. Das Meyerhaus wurde 1794 bis 1797 errichtet und gehörte bis 1830 der Familie Meyer. 1830 wurde das Meyergut, samt Villa und Fabrik der Firma Feer verkauft. Sie betrieben die Fabrik bis 1880. Dann wurde die Nutzung eingestellt. Doch nicht nur im Kellergeschoss werkte Johann Rudolf Meyer Sohn. Im Parterre des westlichen Eckpavillons richtete Meyer ein Laboratorium ein. Hinter der Villa konstruierte er eine neue Fabrik. Jedoch war das nicht das Einzige, was er in diesem Jahr in Aarau getan hatte. Er versah den Stollen mit einer Stauanlage, um im Untergrund der Fabrik ein Wasserrad von 9,5 m Durchmesser antreiben zu können. Um das Wasser während der arbeitsfreien Zeit zu stauen, nutze er kleine unterirdische Wehre, Staubecken und ein System von Querstollen. In den 1880er Jahren wurde die Nutzung der Stollen eingestellt. Heute können die Meyerschen Stollen im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Doch wer war dieser Johann Rudolf Meyer Sohn eigentlich, der die Geschichte von Aarau geprägt hatte?

Johann Rudolf Meyer Sohn war ein Schweizer Naturforscher, Revolutionär, Seidenbandfabrikant und Alpinist. Er ist einer der Urpioniere unserer Schule, der Alten Kantonsschule Aarau, und engagierte sich, in dem er sogar selbst unentgeltlich einige Zeit lang dort unterrichtete. Die Familie Meyer war politisch aktiv und trug dazu bei, dass aus dem bernischen Unteraargau der heutige selbstständige Kanton Aargau entstand. Er war naturinteressiert und wurde mit der Erstbesteigung der 4158 m hohen Jungfrau 1811 international bekannt. Er hatte mit Margarete Saxer vier Kinder, wovon eines ebenfalls den Namen Johann Rudolf Meyer trägt. Dieser Johann Rudolf Meyer war Schweizer Naturwissenschaftler, Schriftsteller und Alpinist. Er versuchte den Rekord seines Vaters mit der Besteigung eines Viertausenders zu übertreffen, scheiterte jedoch 1812 am höchsten Gipfel der Berner Alpen, dem Finsteraarhorn. 

Die progressive Kraft von Johann Rudolf Meyer Sohn kommt nicht von Ungefähr. Sein Vater war, wie schon oben erwähnt, ebenfalls eine bekannte Persönlichkeit in Aarau. Johann Rudolf Meyer Vater besass eine Seidenbandfabrik in der Golatti (heutiges Alters- und Pflegeheim). Das Garn liess er in seiner Fabrik färben und im Baselbiet von Heimarbeitern zu Bändern weben. Die Schlussbearbeitung der Bänder erfolgte wiederum in Aarau in seiner Fabrik. Zudem wurde der "Atlas Suisse" (1786-1802 entstanden), das älteste Kartenwerk, das die gesamte Schweiz umfasst, von ihm und Johann Heinrich Weiss initiiert. Bis zum Erscheinen der Dufourkarte (1845-1865) blieb der "Atlas Suisse" das exakteste Kartenwerk der Schweiz. Das Schlössli in Aarau erwarb er 1790 und renovierte es. Johann Rudolf Meyer baute zu seiner Zeit eine hölzerne Trinkwasserleitung in die Aarauer Vorstadt. Auch die Kantonsschule profitierte von seiner Grosszügigkeit, denn er finanzierte einen Teil davon. Er betreute Waisen und da ihm die Bildung am Herz lag, bot er ihnen eine Ausbildung an.